Mittwoch, 7. Januar 2015

Erfahrungsbricht Bernina 710

Ich habe ja schon mal über meine neu angeschaffte Pfaff Performance 5.0 berichtet. So richtig überzeugt war ich damals schon nicht. Nach ein paar Tage Probenähen war dann klar: ich schicke sie zurück (habe den Beitrag noch um ein paar Anmerkungen ergänzt). Nun musste also eine andere Maschine her. Spontan habe ich dann die Bernina 710 bestellt – wenn DIE mich nicht überzeugen kann (in der gehobenen Preisklasse), dann weiß ich auch nicht mehr weiter.


Bernina 710


Erfahrungsbricht Bernina 710


Erster Eindruck


Erster Eindruck nach dem Auspacken: die ist RIESIG! Ich wollte ja unbedingt wieder einen großen Durchlass (25cm) haben. Aber dieses Gerät ist nochmal wuchtiger und schwere als meine alte Pfaff Expression 2.0 und auch die Pfaff Performance 5.0. Die werde ich also nicht oft zum Nähtreffen mitnehmen. Aber das ist erstmal zweitranging. Das Metall macht schon einen sehr wertigen Eindruck. Der restliche Plastikkörper ist standard. Der aufsteckbare Schiebetisch ist ganz nett. Werde mir aber dennoch einen “richtigen” Anschiebetisch zulegen müssen bzw. selbst bauen. Was mich etwas stört ist, dass die Garnrolle immer freiliegt. Ich finde es schöner, wenn man einen Deckel zuklappen kann und sie ist weg – einfach gefühlt eine “saubere” Angelegenheit. Der Anlasser ist schön klein und hat auch ein gutes Gewicht (der bei der Pfaff ist eher breit und leicht). Eine Haftunterseite werde ich trotzdem noch anbringen müssen, damit er sich nicht immer selbstständig macht.


Inbetriebnahme


Das Gerät braucht schon einen Moment zum Starten (halt eine Computernähmaschine). Das Licht ist wirklich sehr hell und angenehm. Direkt unangenehm fällt ein leises, hochfrequentes Summen auf. Nachdem ich das auch noch auf einem anderen Blog gelesen habe, ist es also nicht nur meine Einbildung sondern der Lüfter. Inzwischen habe ich mich dran gewöhnt und blende es meistens aus.


Aufspulen, Einfädeln und los gehts (nicht groß anders als bei anderen Maschinen). Die Bedienung ist wirklich einfach und intuitiv. Aber dieser ganze “Komfortkram” dauert schon irgendwie länger, als bei einfachen Maschinen wo man selbst schnell ein Knöpfchen drückt, den Fußabsenkst usw. Aber man gewöhnt sich schnell dran. Das Display reagiert gut auf Fingertippen. Die Drehrädchen arbeiten auch sauber.


Die Spulen sind wirklich groß und fassen wahrscheinlich mehr Garn als andere. Aber etwas unschön ist, dass sie nicht richtig bis zum Rand aufgespul werden. Außerdem sind sie schweineteuer. Da verdient Bernina echt nochmal gut am Zubehör. Tipp: bei Nähpark Diemeier gibt es ab 10/20 Stück einen Mengenrabatt. Habe mir gleich nochmal 20 Stück nachbestellt.


Wenn wir grad bei Zubehör sind: es sind nicht wirklich viele Füße dabei. Zwei Reißverschlussfüße und zwei Standardfüße (für mit und ohne Obertransport) . Dazu ein Nahtschatten und ein Knopflochsensormatikfuß – der Nahtschattenfuß hat bei mir nicht funktioniert – die Nadel ist alle paar Stiche NEBEN die Führungsschiene geglitten -> nicht zu gebrauchen. Einen Stopffuß hätte man schon noch beilegen können. Den Freihand-Quiltfuß habe ich mir nun für ca. 30€ nachbestellen müssen. Die Füße selbst machen einen soliden Eindruck und halten bestimmt ewig. Der ein oder andere Pfaff-Plastikfuß ist mir dagegen schon zerbrochen. Den “Bernina-Zubehör-Schrank” fand ich erst ganz witzig. Nachdem er mir ständig umgefallen ist und im Weg stand, habe ich ihn weggeräumt. Meine zwei Standardfüße (Zipper und Standardfuß) werde ich mir anderweitig griffbereit legen. Für meine Spulensammlung muss ich mir auch nochwas überlegen – die passen eh nicht alle in den Schrank/Box.


Fadenabschneider


Im Vergleich zur Pfaff Performance 5.0 arbeitet der einigermaßen schnell. Ich benutze ihn immer am Ende einer Naht. Allerdings nicht beim Kettennähen ZWISCHEN den Nähten. Der Nahtanfang nach dem Abschneiden ist nämlich meist sehr unsauber und hat ein kleines Knäuel auf der Unterseite zur Folge. Deswegen nähe ich immer erst auf einem “Mäuschen” (Reststück) und schiebe dann mein Stoffstück unter (beim Patchworken). Es wäre schön gewesen, wenn der Nahtanfang zuverlässiger sauber wäre. Trotzdem möchte ich den Fadenabschneider nicht missen.


Kniehebel


Wieder im Vergleich zur Pfaff Performance funktioniert der echt traumhaft. Spricht direkt an und ist flüssig, stufenlos bedienbar. Absenken geht auch über den Kniehebel durch einfaches antippen.


Automatisches Anheben des Fußes


Man kann einstellen, dass der Fuß sich hebt, wenn man stoppt (mit Nadel Tief – z.B. beim Drehen/Wenden/Applizieren). An sich eine nette Sache, ABER: diesmal dauert es bei der Bernina 710 eine halbe Ewigkeit bis sich der Fuß anhebt. Das ging bei der Pfaff schneller. Also habe ich diese Funktion deaktiviert und arbeite stattdessen mit dem Kniehebel. Hat den Vorteil, dass sich der Fuß auch nur hebt, wenn ich es will. Bei jedem Stopp wäre es mir einfach zu viel (und die Geräusche nerven auch mit der Zeit).


Stichbild


Da war ich wohl am meisten enttäuscht. Wirklich Abheben tut sich das Stichbild nicht von anderen Maschinen. Und wirklich ärgerlich ist, dass die Oberfadenspannung prinzipiell zu hoch ist. Man sieht bei normalem Geradstich und zwei Lagen Baumwollstoff immer den Unterfaden auf der Oberseite. Andersherum wäre es nicht so tragisch, finde ich – denn beim Absteppen einer Ziernaht ist die Oberseite in der Regel die, die schöner aussehen soll. Also korrigiere ich die Fadenspannung meistens über das Display. Ich möchte nicht ausschließen, dass es am Garn liegt. Aber genau dafür gibt es eine AUTOMATISCHE Fadenspannung – die sollte sich selbst regulieren.


Erfahrungsbricht Bernina 710


Wirklich lästig ist, dass ich schon 2-3 mal mitten in der Näht Schlaufen und eine lose Naht hatte. Einen Bedienungsfehler würde ich ausschließen, weil der Rest der Naht ja korrekt war (also nicht falsch eingefädel usw.). Da musste ich dann auftrennen und nochmal drüber nähen. Bei dem Hype um Berninas Stichqualität fand ich das schon etwas peinlich.


Erfahrungsbricht Bernina 710


Freihandquilten konnte ich auch schonmal an einem Mini ausprobieren. Hier gibt es nichts zu meckern. ;)


Stichauswahl


Ich muss gestehen, hier verwende ich eh meistens nur die Basics. Geradstich, Zickzack, Versäumstich und ab und zu nen Applikationsstich. Ich bin nicht so der Zierstichfan. Wirklich interessant fand ich die 5cm-Zierstiche bei der Pfaff – aber die 9mm-Standardzierstiche brauche ich nicht so oft.


Gut finde ich, dass man einen eingestellten Stich abspeichern kann. So nähe ich z.B. beim Patchen mit Stichlänge 1.5 statt 2.5 -> abgespeichert. Bei 1/4-inch-Nähten verstelle ich die Nadelposition -> abgespeichert. Beim Absteppen von Ziernähten verwende ich Stichlänge 3.0 und verstelle die Nadelposition ganz nach rechts -> abgespeichert. Schade finde ich, dass bei einem so teurer Gerät es nicht möglich ist, eigene Stiche zu kreieren. Das ist ein fehlendes Softwarefeature, dass man ruhig hätte spendieren können. Da sind andere Hersteller wie Brother großzügiger.


Fazit


Ob man so viel Geld ausgeben möchte, sollte man sich gut überlegen und wenn möglich das Gerät unbedingt ein paar Tage ausgiebig testen. Qualitativ hebt sich Bernina bei diesem Gerät nicht wirklich ab (bzw. ärgern mich bei anderen Herstellern genauso viele Dinge) – vielleicht bin ich da zu kritisch. Ich habe das Gerät letztendlich nur behalten, weil ich A) den großen Durchlass wollte und mich dabei die Pfaff so enttäusch hatte und B) ich nicht noch mehr Geräte ausprobieren wollte und endlich wieder eine Nähmaschine haben wollte. Nach 2-3 Wochen Dauereinsatz habe ich mich auch gut mit dem Gerät angefreundet.


Ich hoffe ihr konntet ein paar Anregungen aus dem Erfahrungsbricht Bernina 710 mitnehmen, wenn ihr euch gerade nach einem neuen Gerät umschaut.


Ciao


Susanne


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